Eine neue Art zu fliegen, Teil 2: Praxistest und Review
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Eine neue Art zu fliegen, Teil 2: Praxistest und Review

Die Magie des Zusammenspiels von Kamera, Gimbal, Goggles, Air Unit und Flight Controller.

Das Zusammenspiel dieser Komponenten ist der Schlüssel zum Erfolg des Systems. Die Kamera im Gimbal liefert das Rohbild. Der Gimbal 3 stabilisiert es in Echtzeit. Die Air Unit empfängt das stabilisierte Bild vom Gimbal, komprimiert es und überträgt es digital an die Goggles L. Gleichzeitig empfängt die Air Unit über die serielle Schnittstelle (UART) Daten vom Flight Controller des Flugmodells. Diese Daten – etwa Fluglage, Geschwindigkeit, Höhe, Steiggeschwindigkeit, Akkuspannung usw. – werden verarbeitet und als OSD-Einblendung in das Bild integriert, bevor es an die Goggles übertragen wird. Die Goggles L empfangen das digitale Signal, dekodieren es und zeigen das Bild einschließlich des OSD auf den Displays an. Die Head-Tracking-Daten werden von den Sensoren in den Goggles L erfasst und per Funk an die Air Unit zurückgesendet. Diese leitet sie wiederum an den Gimbal 3 weiter, der die Kamera entsprechend der Kopfbewegung schwenkt.

Diese Architektur ermöglicht ein hochintegriertes System, in dem Bildstabilisierung, Steuerung durch Kopfbewegungen und relevante Flugdaten in einem einzigen digitalen Datenstrom zusammengeführt werden. Durch die nahtlose Integration bleibt die Komplexität der einzelnen Komponenten für den Piloten praktisch unsichtbar.

Ich habe diese Testplattform in drei unterschiedlichen Welten eingesetzt, um den Walksnail Gimbal 3 und die Goggles L unter realistischen und sehr unterschiedlichen Bedingungen auf Herz und Nieren zu prüfen. Dafür habe ich bewusst drei verschiedene Flugmodelltypen ausgewählt:

(1) Den bekannten MPX Twin Star als leichten Trainer. Dieses Modell ist für seine gutmütigen Flugeigenschaften, seine moderate Geschwindigkeit und die geringen Vibrationen der Elektromotoren bekannt. Eine ideale Plattform für den ersten Kontakt mit dem System, um die grundlegende Stabilisierungsleistung und das Head Tracking in einer ruhigen Umgebung zu beurteilen und den Einbau in einem einfacheren Modell zu testen, das ein Gesamtgewicht von 1,37 kg erreicht.

(2) Eine große Maschine mit Verbrennungsmotor (70-cm³-Motor, ca. 16 kg): Das genaue Modell ist hier zweitrangig. Entscheidend sind die extremen Bedingungen, denen ein solches Flugzeug die Technik aussetzt. Ein 70-cm³-Benzinmotor erzeugt über einen breiten Drehzahlbereich erhebliche Vibrationen und stellt damit hohe Anforderungen an die Mechanik des Gimbals und die Stabilisierungsalgorithmen. Gibt es möglicherweise Bereiche mit Eigenfrequenzen, die der Gimbal nicht ausgleichen kann? Aufgrund des hohen Gewichts und der Trägheit des Modells muss der Pilot den Flugweg häufig in alle Richtungen absichern. Hier wird sich zeigen, ob der Gimbal auch unter widrigen Bedingungen ein ruhiges Bild liefern kann und wie sich das System in einem solchen Modell verhält. Allein die Größe bietet außerdem eine beeindruckende FPV-Perspektive.

(3) Zum Schluss die neue Variante des TwinStar, der vertikal startende TriStar, also die VTOL-Variante (Vertical Take-Off and Landing) mit einem Gewicht von 1,56 kg. Ein VTOL verbindet die Eigenschaften eines Multicopters im Schwebeflug mit denen eines Flächenmodells im Vorwärtsflug. Das stellt besondere Anforderungen an die Bildausrichtung, da das Modell im Schwebeflug völlig andere Sichtanforderungen hat als im Horizontalflug. Head Tracking im Schwebeflug, um sich umzusehen, bei der Landung, um sicherzustellen, dass das Modell niemanden gefährdet, oder im schnellen Flug, um beispielsweise den Flugkorridor richtig einzuschätzen oder ein anderes verfolgtes Modell im Blick zu behalten, sind besonders interessante Anwendungsfälle.

Die FPV-Plattform passt perfekt auf den TwinStar, als wäre sie genau für diese Aufgabe entwickelt worden.

Ähnlicher Einbau mit Unterschieden im Detail

Der Einbau der Testplattform mit Gimbal und Air Unit war bei allen Plattformen grundsätzlich ähnlich, unterschied sich jedoch deutlich in den Details. Am einfachsten war es beim Twin Star. Die Plattform wurde anstelle der Kabinenhaube auf der Nase montiert, damit die Air Unit stets ausreichend gekühlt wird. Die Kühlung ist ein allgemeines Problem aller digitalen Air Units und betrifft nicht nur Walksnail. Inzwischen gibt es auch einen Lüfter, der wirklich immer eingebaut werden sollte. Ohne Luftstrom würde sich die Einheit sonst auf über 100 °C erhitzen! Bei meinen Elektromodellen erfolgte die Stromversorgung immer über den Balancer-Anschluss des Flugakkus.

Die geringe Größe und das niedrige Systemgewicht der Plattform haben bei keinem der Modelle einen Einfluss auf die Flugleistung. Bei der Maschine mit Verbrennungsmotor war die Herausforderung deutlich größer. Der 70-cm³-Motor erzeugt Vibrationen, die direkt auf den Rumpf übertragen werden. Eine sorgfältige Auswahl des Montageorts für den Gimbal ist entscheidend. Da das Testmodell jedoch keine Kabine besitzt, wählte ich eine eher ungünstige Position auf dem Rumpf im Propellerstrom. Die Air Unit ist in der Konstruktion vibrationsgedämpft montiert. Um den ungünstigsten Fall zu simulieren, wurde keine weitere Dämpfung eingebaut. Die Stromversorgung erfolgt beim Verbrennermodell über einen separaten kleinen LiPo, um Störungen durch die Motorzündung zu minimieren. Bei einem 16-kg-Modell war das Gewicht des Systems einschließlich des zusätzlichen Akkus kaum spürbar.

Das VTOL wäre eine eigene Herausforderung gewesen, da der Gimbal so montiert werden sollte, dass er sowohl im Schwebe- als auch im Horizontalflug freie Sicht hat. Dafür musste er auf der Nase positioniert werden, wobei gleichzeitig die Sicht im Schwebeflug und im Horizontalflug gewährleistet sein musste. Die Befestigung der Plattform war jedoch sehr einfach, da der TriStar denselben Rumpf wie der Trainer besitzt. Die Vibrationen sind hier moderat und nicht mit denen des Verbrennungsmotors vergleichbar. Die schnellen Lageänderungen, die im Drohnenmodus möglich sein könnten, könnten eine besondere Belastung für den Gimbal darstellen.

Die Ersteinrichtung der Goggles L und das Binden mit der Air Unit verliefen, wie bei Walksnail üblich, problemlos. Ein Update auf die neuesten Softwareversionen war nicht erforderlich, da bereits alles auf dem aktuellen Stand war. Die Kalibrierung des Head Trackings erfolgt ganz einfach über die Goggles: Goggles aufsetzen, entspannt geradeaus schauen und die Kalibrierung starten, indem die Taste neben der 5-Wege-Menütaste dreimal schnell gedrückt wird. Wichtig ist, dies in der Kopfhaltung durchzuführen, die später auch beim Fliegen eingenommen wird.

Alle Testflüge finden erneut auf dem Flugplatz des MFSV Ettlinger e.V. mit seiner 200 m langen Start- und Landebahn und – bei diesem Wetter noch wichtiger – den großen, schattenspendenden und kühlenden Eichen statt.

Flugtest 1: Entspanntes Kreisen mit dem Twin Star

Der alte Twin Star lässt sich selbst mit dem zusätzlichen Gewicht durch einen einfachen Schubs und Halbgas seinem Element, der Luft, übergeben. Bereits in der ersten Kurve wurde der Vorteil des Gimbals deutlich. Während sich bei einer fest montierten Kamera der Horizont im Bild neigen würde, blieb er mit dem Gimbal 3 nahezu waagerecht. Die Stabilisierung arbeitete sehr effektiv und lieferte selbst bei Turbulenzen ein ruhiges, stabiles Bild. Es fühlte sich an, als würde man aus dem Cockpitfenster eines großen Flugzeugs schauen. Gerade das leichte Schaummodell wird von Turbulenzen schnell von links nach rechts geworfen, was einen FPV-Flug mit starr montierter Kamera manchmal unangenehm macht.

Überflug der 200 m langen Start- und Landebahn, während der Blick ganz natürlich langsam von vorne zur Seite wandert.

Das Head Tracking im Twin Star war eine Offenbarung für entspanntes Fliegen. Man konnte sich umsehen und die Landschaft betrachten, ohne das Modell selbst in eine andere Fluglage bringen zu müssen. Besonders in Kurven war es hilfreich, den Blick in die Kurve zu richten, um den Radius besser einschätzen zu können. Der Gimbal reagierte direkt und präzise auf Kopfbewegungen, ohne spürbare Verzögerung. Man vergisst schnell, dass man eigentlich eine Kamera steuert – es fühlte sich wie ganz natürliches Umsehen an.

Das OSD stellte alle wichtigen Daten übersichtlich im Bild dar. Künstlicher Horizont, Geschwindigkeit sowie Steig- und Sinkrate waren klar ablesbar und behinderten die Sicht nicht. Bei einem Trainer sind diese Daten hilfreich, aber vielleicht nicht unbedingt lebensnotwendig. Dennoch ist es angenehm, alle Informationen auf einen Blick zu haben.

Flugtest 2: FPV-Erlebnis mit der Maschine mit Verbrennungsmotor

Hier war ich besonders gespannt, wie der Gimbal mit den Vibrationen des 70-cm³-Motors zurechtkommen würde. Bitte probiert FPV zunächst mit kleinen Maschinen aus, die ihr perfekt beherrscht. Ein solches Verbrennermodell ist deutlich schneller, sodass man ebenso schnell den eigenen Flugbereich verlassen kann. Fliegt niemals ohne eine zusätzliche Person, die ebenfalls eingreifen kann!

Aufgrund der Systemkonstruktion blickt die Kamera bei der einmotorigen Maschine durch den Propellerkreis und wird vom vollen Propellerstrom getroffen. Für den Gimbal stellt dies jedoch kein Problem dar, da er genügend Kraft besitzt, um den Luftwiderstand zu überwinden. Die Propellerartefakte im Bild sind anfangs sehr störend, doch nach einigen Minuten gewöhnt man sich daran. Das verwendete Modell verfügt für Notfälle über einen eingebauten Starter.

Nach dem Start im Leerlauf gelingt es dem Gimbal nicht, sämtliche Vibrationen von der Kamera fernzuhalten. Ein deutliches Zittern bleibt sichtbar, doch es ist kein Vergleich zu einer Kamera ohne Stabilisierung.

Start der großen Maschine aus der FPV-Perspektive. Die Startbahn ist frei und die heiße Sonne beeinträchtigt die Sicht kaum, nur die Propellerartefakte vor der Kamera stören ein wenig.

Mit zunehmendem Gas wird dies deutlich besser. Sobald das Flugzeug in der Luft ist und ich die Motordrehzahl auf „Reisegas“ reduziere, fällt die Überraschung positiv aus. Der Gimbal leistete beeindruckende Arbeit beim Ausgleich der Motorvibrationen. Das Bild war nicht ganz so seidenweich wie beim Twin Star, doch die stärksten Vibrationen wurden effektiv herausgefiltert. Nur bei bestimmten Drehzahlen im unteren Bereich traten Resonanzen auf und im Bild war eine leichte Unruhe zu erkennen – allerdings deutlich weniger, als ich befürchtet hatte.

In Kurven blickt man ganz natürlich in die Richtung, in die man steuern möchte, um zu prüfen, ob der dortige Luftraum „frei“ ist. Hier ist das Gelände des MFSV Ettlingen von oben zu sehen.

Die große Maschine per FPV zu fliegen, war ein unvergleichliches Erlebnis. Die stabile Sicht aus der „Cockpit“-Perspektive und die Möglichkeit, sich umzusehen, erzeugten ein tiefes Gefühl der Immersion. Man hatte das Gefühl, tatsächlich in diesem riesigen Modell zu sitzen. Das Head Tracking war hier äußerst nützlich. Bei einem Überflug der Start- und Landebahn konnte ich einfach den Kopf drehen, den Blick auf die Bahn richten und die Ausrichtung für den nächsten Anflug überprüfen. Beim langsamen Überfliegen von Objekten am Boden konnte man ihnen mit dem Blick folgen. Die Trägheit des großen Modells wurde durch die Agilität der Kameraperspektive ausgeglichen.

Das OSD war bei diesem Modell, das normalerweise ausschließlich auf Sicht geflogen wird, nicht nur eine willkommene Ergänzung, sondern ein MUSS. Der künstliche Horizont schafft jederzeit Klarheit über die tatsächliche Ausrichtung der Maschine, selbst bei komplexen Fluglagen oder während des Landeanflugs, wenn der Blick auf die Start- und Landebahn gerichtet ist. Die wichtigste Information bei einem so großen Modell ist die Geschwindigkeit, um die richtige Anfluggeschwindigkeit zu treffen. Die Steig- und Sinkrate half außerdem dabei, die vertikale Leistung einzuschätzen oder einen gleichmäßigen Sinkflug beizubehalten. Während die Landung des TwinStar eine einfache Angelegenheit ist, kommt man bei einer so großen Maschine wirklich ins Schwitzen – sämtliche Daten im OSD sind wichtig!

Kein GPS-Sensor mehr auf der Plattform für Geschwindigkeits- oder Positionsdaten – er hatte sich durch die Vibrationen gelöst. Der künstliche Horizont lässt sich leider nicht mehr retten.

Nach mehreren Testanflügen hatte sich der GPS-Sensor durch die Vibrationen von der Testplattform gelöst. Anschließend flog ich ohne Positionsdaten, Sinkrate, Höhe und Geschwindigkeit. Ich musste erneut ohne Goggles und „normal“ auf Sicht landen. Das erste Fazit fällt sehr positiv aus und ich werde den Gimbal erneut in einer großen Maschine installieren, beim nächsten Mal jedoch in einer zweimotorigen, damit ich nicht durch einen Propeller schauen muss.

Alternativ könnte man unter einem Flügel eine kleine Gondel mit freier Sicht nach vorne bauen. Der geringe Versatz zur Modellmitte spielt in der Luft sowie bei Start und Landung keine Rolle. Außerdem ließe sich bei der Landung möglicherweise der Abstand zwischen Boden und Fahrwerk von der Seite besser erkennen.

Flugtest 3: Überblick mit dem TriStar VTOL

Der TriStar startete senkrecht und der Gimbal zeigte sofort seine Stärke im Schwebeflug. Während das Modell sanft in der Luft „stand“, konnte ich mich dank Head Tracking frei umsehen – nach unten, um die Startzone zu sehen, und zur Seite, um Hindernisse zu erkennen. Bei einem Flugzeug hat man den „Vorteil“, dass es stets in eine Richtung fliegt, ohne größere mögliche Richtungsänderungen. Ein VTOL im Schwebeflug ist ein Multicopter, der sich jederzeit in jede Richtung bewegen kann, während der Wind ebenfalls versucht, ihn zu versetzen. Die bewegliche Kamera ermöglicht es hier, den Blick schnell in die neue Bewegungsrichtung zu drehen und jederzeit den Überblick zu behalten. Bis zum Übergang in den Horizontalflug ist der Kopf stark in Bewegung, was ich für eine spannende Erfahrung hielt.

Der TriStar kurz nach dem Abheben und beim Schweben zur Startposition, bevor auf den vertikalen „Normalflug“ umgeschaltet wird.

Da sich der TriStar beim Übergang jedoch nur leicht neigt, ohne an Höhe zu verlieren, stellte dies keine echte Herausforderung für die Stabilisierung dar. Die vorderen Motoren schwenken von einer vertikalen in eine horizontale Position, ohne dass sich die Fluglage im Kamerabild wesentlich verändert. In den Goggles bemerkt man die Umschaltung überhaupt nicht, lediglich die Geschwindigkeit nimmt zu. Der Gimbal wirkte der Bewegung präzise entgegen und hielt das Bild stabil auf dem ursprünglichen Ausrichtungspunkt. Beim Head Tracking folgte die Kamera unabhängig von der Ausrichtung des Modells sanft den vom Piloten gewünschten Bewegungen – genau wie bei den anderen Modellen.

Im Horizontalflug verhielt sich das System ähnlich wie im Twin Star und bot auch bei höheren Geschwindigkeiten und Kurvenmanövern eine sehr effektive Stabilisierung. Die Möglichkeit, den Blick in die Kurve zu richten oder bei einem Überflug auf den Boden unter dem Modell zu schauen, war auch hier ein großer Vorteil für die Orientierung und das Fluggefühl. Das Head Tracking ermöglichte schnelle Blicke in jede Richtung, was bei einem agilen Modell wie dem VTOL besonders nützlich ist, um die Umgebung schnell zu erfassen.

Selbst nach der Landung im hohen Gras behält man dank Head Tracking den Überblick, um möglicherweise erneut starten zu können.

Bei der Landung mit dem VTOL wurden die OSD-Daten erneut wichtig. Die genaue Geschwindigkeit, die Steig- und Sinkrate – insbesondere im Schwebeflug und während des Übergangs – sowie der künstliche Horizont, der die tatsächliche Fluglage zeigt, waren unverzichtbare Informationen für eine sichere und präzise Landung. Die Ausrichtung der Gimbal-Kamera hat konstruktionsbedingt schließlich nichts mit der Neigung des Rumpfes zu tun. Anders als bei einer Gleitlandung mit dem TwinStar.

Dem Head Tracking als neuer Dimension der Gimbal-Steuerung widme ich ein eigenes Fazit, da es für mich zu den prägendsten Funktionen dieses Systems gehörte. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt, den Blick einfach dorthin zu richten, wo man hinschauen und vor allem hinfliegen möchte. Die Integration mit den Goggles L und dem Gimbal 3 war ausgezeichnet. Die Latenz zwischen Kopfbewegung und Kamerareaktion war minimal, wodurch ein sehr natürliches Gefühl entstand. Nur wenn der Blick zwischen nahe beieinanderliegenden Objekten geschwenkt wird, beispielsweise beim Rollen zum Start durch eine Lücke im Zaun, ist eine Verzögerung bemerkbar. Eine korrekte Kalibrierung der Ausrichtung ist entscheidend, lässt sich jedoch jederzeit einfach durchführen.

Die Empfindlichkeit des Head Trackings kann in den Goggles eingestellt werden, was sehr praktisch ist. Eine zu hohe Empfindlichkeit kann dazu führen, dass bereits kleine Kopfbewegungen hektische Kameraschwenks auslösen, was irritierend sein kann. Eine moderate Einstellung, bei der eine leichte Kopfdrehung einen proportional größeren Kameraschwenk bewirkt, erwies sich für mich als ideal. Dies hängt jedoch davon ab, ob man nahe an Objekten wie Bäumen fliegen oder ruhig die Aussicht von oben genießen möchte.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig:

(1) Orientierung: Sich während des Fluges umsehen, um die Umgebung zu erkunden, Orientierungspunkte zu suchen oder die eigene Position zu überprüfen.

(2) Landung: Den Blick auf die Start- und Landebahn richten, selbst wenn sich das Modell beim Anflug seitlich versetzt befindet oder einen deutlichen Anstellwinkel aufweist.

(3) Beobachtung: Den Blick beim Überfliegen auf Objekte oder Bereiche gerichtet halten.

(4) Immersion: Das Gefühl, tatsächlich im Modell zu sitzen und sich frei umsehen zu können, steigert das Flugerlebnis enorm.

Für Scale-Modelle oder größere Flächenmodelle, mit denen häufig weite Kreise geflogen oder längere Strecken zurückgelegt werden, ist Head Tracking ein echter Gamechanger. Auch bei VTOLs im Schwebeflug ist es äußerst praktisch. Lediglich bei sehr schnellen, agilen Manövern oder im Kunstflug kann es sinnvoller sein, die Kamera starr nach vorne auszurichten oder manuell zu steuern, da schnelle Kopfbewegungen in Verbindung mit schnellen Modellbewegungen anfangs gewöhnungsbedürftig sein können. Mir wurde gesagt, dass meine ersten FPV-Loops und -Rollen schrecklich aussahen – und das Video bestätigt es.

Die Elemente im OSD können im INAV-Menü des FC einzeln ausgewählt und im Bild positioniert werden.

Die Anzeige der OSD-Daten des Flight Controllers im Walksnail-Bild funktioniert zuverlässig und bietet einen entscheidenden Mehrwert, insbesondere bei komplexeren Modellen oder Flügen, bei denen präzise Informationen zu den Flugparametern benötigt werden. Künstlicher Horizont, Geschwindigkeit sowie Steig- und Sinkrate sind nur einige der zahlreichen Daten, die ein moderner Flight Controller bereitstellen kann. Die Darstellung in den Goggles L war klar und scharf. Die Elemente lassen sich individuell an der gewünschten Stelle im Bild positionieren, sodass die Daten das Hauptsichtfeld nicht beeinträchtigen, bei Bedarf aber sofort ablesbar sind. Die Walksnail-Software ermöglicht weitere Anpassungen der angezeigten Elemente und ihrer Position in den Goggles, sodass jeder Pilot sein individuelles OSD gestalten kann.

Für Scale-Piloten, die ihre Anfluggeschwindigkeit im Blick behalten müssen, oder VTOL-Piloten, die im Schwebeflug die vertikale Geschwindigkeit kontrollieren, sind diese Daten unverzichtbar. Auch für Trainerpiloten, die möglicherweise ihre ersten Erfahrungen mit FPV und Flight Controllern sammeln, bietet das OSD wertvolle Rückmeldungen zum Flugverhalten oder zum aktuell aktiven Flugmodus.

Fazit und Ausblick

Der CaddxFPV Gimbal 3 ist in Kombination mit den Goggles L und dem Avatar HD Kit V2 weit mehr als nur ein weiteres FPV-System. Er ist ein Schritt hin zu einem immersiveren, intuitiveren und informativeren FPV-Flugerlebnis, insbesondere bei Flächenmodellen. Die effektive Stabilisierung liefert ein ruhiges Bild und gleicht die Flugbewegungen des Modells weitgehend aus. Das reduziert die Ermüdung und steigert den Flugkomfort deutlich.

Für mich ist das Head Tracking das Highlight des Systems. Es verleiht dem FPV-Fliegen eine neue Dimension der Interaktion und Orientierung, die ihre Vorteile besonders bei großen Modellen voll entfaltet. Auch bei Segelflugmodellen oder im Schwebeflug von VTOLs kann ich mir diese Funktion sehr gut vorstellen. Man fühlt sich weniger wie ein Fernsteuerpilot und mehr wie der Pilot im Cockpit.

Die Goggles L überzeugen durch ihren hohen Tragekomfort, ihr schlichtes, schnörkelloses Design und die durchgehend hervorragende Bildqualität des Walksnail-Systems. Die Integration des Head Trackings funktioniert einwandfrei. Darüber hinaus ist der Preis von derzeit 200 $ unschlagbar und beträgt weniger als die Hälfte des Preises ihres „großen Bruders“ für 460 $.

Für Head Tracking mit dem großen Bruder werden eine zusätzliche Gyro-Box und weitere Kabel benötigt. Aufgrund der Größe passt das Ganze natürlich nicht mehr in die Box.

Die OSD-Integration des Flight Controllers arbeitet zuverlässig und liefert alle erforderlichen Flugdaten direkt ins Sichtfeld. Dadurch wird das Situationsbewusstsein deutlich verbessert, was bei komplexen Flugprofilen oder größeren Modellen unverzichtbar ist.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Der Einbau des Gimbals erfordert Sorgfalt, besonders auf vibrationsintensiven Plattformen wie Modellen mit Verbrennungsmotor – befestigt den GPS-Sensor besser. Das zusätzliche Gewicht und die höhere Komplexität des Systems müssen möglicherweise bereits bei der Konstruktion des Modells berücksichtigt werden. Die Vorteile gegenüber einer einfachen, starr montierten Kamera überwiegen jedoch eindeutig. Für ambitionierte Flächenpiloten, Scale-Piloten und VTOL-Enthusiasten, die das ultimative FPV-Erlebnis suchen, bietet der Walksnail Gimbal 3 zusammen mit den Goggles L eine herausragende Kombination aus Bildqualität, Stabilisierung, Immersion durch Head Tracking und umfassenden Flugdaten.

Für wen eignet sich dieses System?

Der CaddxFPV Gimbal 3 mit den Goggles L richtet sich nicht nur an fortgeschrittene FPV-Piloten und Modellflieger, sondern an alle, die das bestmögliche Flugerlebnis suchen und bereit sind, in hochwertige Technik zu investieren.

In Verbindung mit einem FC eignet sich das System ideal für Scale-Piloten, die eine realistische Cockpitperspektive wünschen, ebenso für Piloten größerer Flächenmodelle, bei denen Stabilisierung und OSD von Vorteil sind, sowie für VTOL-Enthusiasten, die die Vielseitigkeit ihres Modells im FPV-Flug vollständig ausschöpfen möchten.

Für reine Freestyle- oder Racing-Piloten mit Multirotoren ist ein Gimbal normalerweise weniger relevant. Für alle anderen Bereiche des FPV-Fliegens mit Flächenmodellen handelt es sich jedoch um eine äußerst spannende und vielversprechende Entwicklung.

Dieses System zeigt, wohin sich FPV mit Flächenmodellen entwickeln kann: weg von der starren Kamera in der Modellnase und hin zu einer dynamischen, interaktiven Sicht aus dem virtuellen Cockpit, die das Fluggefühl auf ein völlig neues Niveau hebt. Ich bin gespannt, welche weiteren Innovationen Walksnail in diesem Bereich vorstellen wird. Viele warten noch immer auf die 3D-Goggles mit zwei gekoppelten Kameras….

Das Zeitalter des stabilisierten, immersiven FPV-Fliegens mit Flächenmodellen hat gerade erst richtig begonnen.

Oliver

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CADDXFPV Gofilm 20
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